Die Saxophonistin Ruth Velten im Interview.
Es ist kalt und nieselt. Berlin zeigt sich nur bedingt von seiner Schokoladenseite an diesem Vormittag, während ich in einem Hinterhof im Prenzlauer Berg auf Ruth Velten warte. Die Saxophonistin fährt mit dem Auto vor, aus dessen Kofferraum sie zwei sehr große Gigbags befördert. Die Frage, ob ich ihr helfen kann, tut sie freundlich ab. Beim Betreten der Alten Wache muss ich ihr dennoch die Tür aufhalten, damit das Instrumentarium überhaupt durchpasst. »Augen auf bei der Instrumentenwahl«, denke ich. Scheinbar steht mir der Gedanke ins Gesicht geschrieben, sie lacht mit Blick auf ihr offensichtlich schweres Gepäck. Eigentlich wollen wir uns für das Gespräch in die Gemeinschaftsküche der kollektiv genutzten Alten Wache setzen, »da ist eigentlich immer Platz«. Heute sind wir allerdings nicht die ersten, die auf die Idee kommen, sich in der Küche zum Arbeiten zu verabreden. Also kocht Ruth einen Tee und wir ziehen in den Probenraum des 2010 von ihr und Silke Lange gegründeten Ensembles lux:nm um, das seit einigen Jahren in diesem Gebäude residiert. Zwischen einer Vielzahl von weiteren Gigbags, Instrumenten, Kabeln und ein paar Stühlen, befreien wir einen kleinen roten Tisch von Tassen und Noten und rücken ihn in die Mitte des Raumes.

