Schmerzensgeld

Eine Villa mit mindestens 25 Räumen und drei Saunen, ein Privat-Jet, acht Luxusautos und ein Kühlschrank voller Açaí-Saft – das war gerüchtehalber die Mitgift, die der saudi-arabische Fußballverein Al-Hilal 2023 in seine (kurze) Ehe mit dem brasilianischen Fussballer Neymar Jr mitbrachte – neben einer kolportierten Aufwandsentschädigung von 160 Millionen Euro Jahresgehalt. Der saudi-arabische Prinz, Multimilliardär und Gönner von Al-Hilal, Alwaleed Bin Talal Alsaud, ließ Neymar in seiner privaten Boeing 747 einfliegen, mit goldenen Ledersitzen und einem Thron in der Mitte. »Al-Hilal ist ein gigantischer Club mit fantastischen Fans und die Liga in Saudi-Arabien hat eine gewaltige Energie«, ließ Neymar über seinen neuen Arbeitgeber mitteilen. Schon klar. Ehrlicher war da unlängst der belgische Fussballer Kevin De Bruyne, der noch bis Ende der Saison bei Manchester City unter Vertrag steht: In Saudi-Arabien könne er in zwei Jahren mehr Geld verdienen als in allen vorherigen 15 Jahren seiner Karriere zusammen. Ganz so üppig ist das Honorar des derzeit in Dubai stattfindenden InClassica-Festivals nicht, aber doch groß genug, um dafür manch Kröte zu schlucken. In diesem Fall heißt das nicht, wie bei den Fussball-Söldner, schlechte Stimmung, mieses sportliche Niveau und stundenlange Staus, sondern: ein Stück von Composer-in-Residence und Hedge-Fund-Multimillionär Alexey Shor aufzuführen und diesen in (gesponserten?) Interviews zu loben und preisen. Times-Kritiker Geoff Brown bezeichnete Shors Kompositionen einmal als »Möchtegern-Melodien aus dem 19. Jahrhundert, denen jeglicher Mumm und jegliches Rückgrat fehlt«. Für Geiger Daniel Lozakovich hingegen ist Shor ein Komponist mit »einzigartigem Stil«, Cellist Edgar Moreau hat sich »in dessen lyrische Themen verliebt«, ein Gefühl, das der französische Dirigent Lionel Bringuier gut kennt. Der Geiger Daniel Hope findet Shors Musik »sehr emotional, kommunikativ und dadurch sehr effektiv«, für Dirigent Andrea Battistoni baut sie »Brücken zwischen Tradition und Gegenwart«, und sein Kollege Gil Shaham gibt – Shor sei Dank – einen intimen Einblick in sein Privatleben (»Meine Familienmitglieder summen und pfeifen seine Melodien«). Schon klar. 


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