Musik zum Einschlafen und Aufrütteln.

Text Maximilian Hornung · Titelbild © Marco Borggreve · Datum 25.10.2017

Maximilian Hornung ist einer von denen, deren Vita man liest und sich fragt: Wie zum Teufel schafft ein Mensch so viel – in gut 30 Lebensjahren? Vier Jahre als Solo-Cellist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dann eine Solisten-Karriere untere anderem mit dem London Philharmonic Orchestra, dem Philharmonia Orchestra, dem Tonhalle-Orchester Zürich, der Tschechischen Philharmonie, den Wiener Symphonikern und den Bamberger Symphonikern, außerdem zahlreiche Kammermusikprojekte (mit Leuten wie Antje Weithaas, Hélène Grimaud, Daniil Trifonov, Christian Tetzlaff, Lisa Batiashvili, François Leleux, Yefim Bronfman, Herbert Schuch, Lars Vogt, Jörg Widmann und Tabea Zimmermann) und CD-Einspielungen. Die Zeit im Flugzeug auf dem Weg nach Japan hat der Cellist genutzt, um für VAN eine Playlist zusammenzustellen, die vielleicht auch einen kleinen Hinweis darauf gibt, woher er seine Energie nimmt: Lutosławski, wenn mal die Kraft fehlt und Schubert, wenn sonst gar nichts mehr geht.

Jean Sibelius, Violinkonzert

Dieses Werk erinnert mich immer an meine Kindheit. Mein Vater, der selbst Geiger ist, liebt dieses Stück und hat es oft zu Hause geübt und gespielt, meist abends, wenn wir Kinder schon am Einschlafen waren. Und so bin ich oft mit dem Sibelius-Violinkonzert in den Schlaf getragen worden.

Sergej Rachmaninov, Prelude in h-Moll

Für mich sein persönlichstes Prelude. Es hat so eine traurig-schöne endlose Weite und Sehnsucht. In meiner Studienzeit im Nebenfach Klavier wollte ich es unbedingt spielen. Natürlich reichen meine pianistischen Fähigkeiten nicht mal ansatzweise, um auch nur die erste Zeile zu überstehen, aber ich war so fasziniert von diesem Prelude, dass ich teilweise Tage lang nur am Klavier saß und gar nicht ans Cello gedacht habe.

Giacomo Puccini, La Bohème

Immer wenn ich mal Zeit habe und spontan in die Oper gehen will, läuft seltsamerweise La Bohème. Zum Glück macht das aber überhaupt nichts, ich liebe diese Oper und kann mich nicht satt hören an der so wunderschön leidenschaftlichen Musik.

Franz Schubert, Streichquartett No. 15

Eine pure und erhabene Musik, die gleichzeitig so dramatisch ist, hier dazu noch mit einem der besten Streichquartette aller Zeiten. Dieses Stück ist für mich wie eine Art Medizin für und gegen alles, mehr brauche ich fast nicht.

Gustav Mahler, Sinfonie No. 3

https://www.youtube.com/watch?v=ah-WbjnZty8

Speziell mit dieser Aufnahme erinnere ich mich sehr gerne an meine Zeit als Solocellist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks zurück. Genau diese Konzertwoche war ein absolut unvergessliches Highlight in meiner Zeit damals im Orchester. Die ganze Probenarbeit, die Konzerte, die Stimmung im Orchester und im Publikum waren so intensiv. Ich denke, jeder ist damals nach den Konzerten nach Hause gegangen und wusste, dass hier gerade etwas ganz Besonderes passiert ist.

Witold Lutosławski, Konzert für Orchester

Link zur Aufnahme

Dieses Werk fasziniert mich wegen seiner unglaublichen Urgewalt und Boshaftigkeit. Wenn ich mal Energiemangel habe, rüttelt mich dieses Stück immer richtig auf. Es ist sehr beeindruckend instrumentiert, klanglich extrem differenziert und macht deshalb seinem Namen alle Ehre: Ein »Solo«-Konzert für Orchester.   

Robert Schumann, Widmung

https://www.youtube.com/watch?v=Avevi_mi1TE

Das ist wohl das ergreifendste kleine Stückchen Musik, das es überhaupt nur gibt. So einfach und bescheiden und voll tiefster Ehrlichkeit. Sehr bewegend!

Antonin Dvořák, Klaviertrio in g-Moll

Ein leider viel zu selten gespieltes Stück, das oft im Schatten des berühmten »Dumky«-Trios steht. Mit meinem ehemaligen Trio haben wir es immer wieder im Programm gehabt. Ein so hervorragendes Werk, das es nicht verdient, in der Schublade zu landen.

Josef Suk, Serenade für Streicher

Mit 14 hatte ich mein erstes Solokonzert zusammen mit dem Suk Kammerorchester Prag. Seit dieser Zeit verbinde ich mit Josef Suk hauptsächlich seine wunderbare Streicherserenade, die ich oft und sehr gerne höre und auch schon selbst im Orchester gespielt habe. Eines der besten Werke dieser Gattung, wie ich finde! ¶