Herbert von Karajan war Person des Boulevards, gleichzeitig kam man ihm persönlich überhaupt nie nah. Haben seine Inszenierungen von Klassik der Musik geschadet? Mittlerweile befassen sich auch die Musik-, Medien- und Kulturwissenschaften mit dieser Frage.

Man muss diesen Dirigenten nicht mögen – und man kann sich die Sache dabei sehr einfach machen. Der Diskurs über ihn in der breiten Öffentlichkeit wurde nicht primär von seinen Interpretationen als Dirigent bestimmt – sondern oft davon, was den Boulevard interessierte. Es ging um den Pilotenschein des Dirigenten, um seinen Porsche, an dessen Heck statt des Firmenlogos der Schriftzug »von Karajan« prangte, um seine Kommunikation mit Spitzenorchestern jenseits des Podiums, und nicht selten ging es um seine Frisur. Noch als sich die (wirklich nicht boulevardverdächtige) Musikjournalistin Eleonore Büning 2017 aus eher zufälligem Anlass Gedanken über die Frisuren von Dirigenten machte, fielen ihr fast reflexartig Herbert von Karajan und seine »Elvis-Tolle« ein.


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… arbeitet als Musikjournalist für Berliner Tageszeitungen und die Kulturprogramme von ARD und Deutschlandradio. Er studierte Musikwissenschaft, Musik und Philosophie. 2008 erschien sein Buch ›Als Bürger leben, als Halbgott sprechen‹. In seiner Freizeit unterhält er drei Töchter und ein sehr altes Holzhaus.