Erhaben – dieses Wort beschreibt die Musik des italienischen Autodidakten Giacinto Scelsi wahrscheinlich am besten. Nicht als umständlicher Ausdruck für »einfach sehr gut«, sondern im Sinne Moses Mendelssohns, also als gleichzeitig angsteinflößend, überwältigend, beglückend, schmerzhaft, gewaltig und transzendent. Scelsi verstand sich selbst lediglich als Bote, als Vermittler von Klängen aus einer andere Sphäre. Seine Musik kann klingen als käme sie nicht von dieser Welt, wie eine Art uraltes Erwachen, das seine Erhabenheit aus seiner Ursprünglichkeit gewinnt. Diese Ursprünglichkeit macht Scelsis Musik anders, erschreckend anders. Und trotzdem ist sie unbestreitbar modern. Scelsi erweitert die Spieltechniken für Streichinstrumente, verwendet mikrotonale Harmonien, Elektronik und präparierte Klaviere – alles im Dienst des Klanges. Für ihn war der einzelne Ton unendlich, ein Universum für sich.


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