Bestes Konzert, größter Aufruhr, interne Querelen, interne Freuden. Der VAN-Steckbrief, 2. Folge: Das Ensemble Reflektor.

Text VAN-Redaktion · Fotos Selma Brauns, Geigerin beim Ensemble Reflektor · Datum 23.8.2017

Das Ensemble Reflektor ist jung. Das Kammerorchester selbst hat erst gut zwei Jahre auf dem Buckel.  Die 40 Musiker*innen – alles Profis, noch im Musikstudium oder gerade fertig, aus Deutschland, Chile, USA, Spanien, Australien, Kanada, Griechenland, Israel, Ungarn, Finnland, Irland, Norwegen, England, Frankreich und (ganz wichtig) Ostfriesland  – sind zum großen Teil noch in den Zwanzigern. Zu allen, die wissen wollen, was die Jungen Wilden so an- und umtreibt, spricht das Ensemble Reflektor in diesem Steckbrief.

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Skalen

Wie extravagant seid ihr? (0 = absolut bieder bis 10 = Teodor-Currentzis-Style)

0–10. Extravaganz höchstens zufällig.

Elphi-Faktor: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, euch in der Elbphilharmonie zu hören? (0 = nie bis 10 = da haben wir längst gespielt)

10. Tatsächlich! Allerdings nicht im großen Saal, sondern um ihn herum. Viele Wege führen nach Rom…

Ganz konkret

Welche Marketingfloskel wollt ihr nie über euch lesen?

»reflektor erfindet die Klassik neu«. Die Klassik muss nicht neu erfunden werden, höchstens der Rahmen.

Was war euer bestes Konzert bisher? Warum?

Die Konzerte in unseren drei Wohnzimmern (Halle 424 und Gruenspan in Hamburg, Kühlhaus in Berlin) sind immer wieder etwas besonderes für uns. Aber wer mit dem Überfluss lebt, drei Wohnzimmer zu haben, kennt sonst keine Superlative mehr.

Das Ensemble Reflektor über sich selbst – noch im Gründungsjahr 2015

Wenn ihr ein Fußballverein wärt, welcher wäre es?

Der FC St. Pauli natürlich.

Was war euer schlechtestes Konzert bisher? Warum?

Während unserer Gründungsphase hatten wir zwischen zwei sehr schönen und gut besuchten Konzerten in Hamburg ein Konzert vor 20 Zuschauern in Rostock. Wir haben uns die Seele aus dem Leib gespielt, aber dennoch ist der Klang von nur 20 klatschenden Leuten nach einer Beethoven 3 relativ ernüchternd.

Was war der Anlass für die bisher gewaltigste interne Auseinandersetzung?

Vibrato bei Grieg.

Wenn es euch in fünf Jahren nicht mehr gibt, woran liegt es?

Vibrato bei Grieg.

Ohne welche nicht-musikalische Qualität (bzw. Interesse) wird es hart in eurem Orchester?

Wer die Star-Wars-Filme nicht nach Erscheinung und Handlung ordnen kann, wird sofort nach Hause geschickt.

Was ist eure aktuelle inoffizielle Hymne?

In welcher Zeit / an welchem Ort würde euer Orchester auch noch gut funktionieren?

A long time ago in a galaxy far far away …

Welches sind eure drei Lieblingsorte, außerhalb der Konzertsaals?

Utspann (Hamburger Kiezkneipe), Mälzer (Lüneburger Stammkneipe) und das Kreativquartier im Oberhafen Hamburg

Welches ist der am häufigsten genannte zukünftige Traumjob eurer Mitglieder?

Musiker*in – egal, wie.

Welches war das krasseste Publikum, vor dem ihr je gespielt habt, der größte Aufruhr, Eurer Rite-of-Spring-Moment?

Die oben angesprochenen 20 Leute in Rostock. Das Konzert wurde moderiert und wir haben ein Auftragswerk für Kammerorchester und Elektronik gespielt. Während der Abmoderation meldete sich einer der 20 Besucher und erklärte über Mikrofon, dass er die Elektronik, die wir Musiker sehr liebten, blöd fand. Schade!

Wie sieht euer typischer Hörer / eure typische Hörerin aus?

Er hat einen Hipsterbart, trägt Star-Wars-Socken und ist Seefahrer a.D.

Transformation – das aktuelle Programm des Ensemble Reflektor

Robert Schumann: Ouvertüre zu Julius Caesar Op.128

Clara Schumann: Konzert für Klavier und Orchester a-Moll Op.7

Felix Mendelssohn: Sinfonie Nr.5 Reformation

Traditionelle syrische Musik (arr. Ibrahim Bajo & Malte Schiller)

23.8. Hamburg, Halle 42425.8. Usingen, Allegro Festival27.8. Berlin, Kühlhaus

Vor welchen Karren würdet ihr euch niemals spannen lassen?

Wir würden nie versuchen, den Hummelflug im Fernsehen gegen eine Stoppuhr zu spielen.

Welches Stück würdet ihr nie spielen?

Wagners Ring. Das würde uns besetzungstechnisch vor ungewollte Schwierigkeiten stellen. Außerdem finden wir die Verfilmung davon mit den Hobbits auch ohne uns ganz gut.

Welches Stück habt ihr nicht auf die Reihe gekriegt?

Wir scheitern meistens an Happy Birthday bei Geburtstagen unserer Mitglieder.

Unendlich Geld, unendlich Zeit – welches Education-Projekt würdet ihr machen?

Jedem Kind in Hamburg ein Instrument beibringen. ¶