In diesen zweieinhalb Wochen ist Leipzig das Nonplusultra für alle Schostakowitsch-Fans. Passend zu den Feierlichkeiten anlässlich des 50. Todestages des Komponisten hat das Gewandhaus zu Leipzig eine Werkschau auf die Beine gestellt, die die Musikwelt noch nicht gesehen hat: alle 15 Sinfonien, alle 15 Streichquartette, alle Instrumentalkonzerte, die Oper Lady Macbeth von Mzensk, Lieder, Filme, Salonorchesterwerke. Das Festival trägt die planerisch versierte Handschrift des Konzertbüroleiters am Gewandhaus Tobias Niederschlag, der im nahegelegenen Gohrisch schon seit vielen Jahren ein dem Komponisten verbundenes Kammermusikfestival leitet. Hier in Leipzig geben sich nun neben den großen Solist:innen auch drei Orchester die Klinke in die Hand, um vor allem die zahlreichen Sinfoniekonzerte zu stemmen.

Nach dem Eröffnungskonzert des Gewandhausorchesters mit einer urwüchsig brodelnden 4. Sinfonie ging der Staffelstab zunächst für einige Sinfonien an das Boston Symphony Orchestra, zum Beispiel  für die verzweifelt anrührende 8. Sinfonie und eine so makellos schön sich selbst hinterfragende 15. Sinfonie, wie man sie vielleicht nur bei solchen Festivals erlebt.

Das jugendliche Herzstück jedoch, und das Ensemble, ohne das das Festival diese herkulische Aufgabe gar nicht bewältigen könnte, ist das eigens gegründete Festival-Orchester. Dieses besteht aus jungen Musiker:innen der hauseigenen Nachwuchsprogramme Bostons und Leipzigs in Tanglewood und der Orchester-Akademie des Gewandhauses.

Die Leitungen der großen Sinfoniekonzerte liegen hierbei nicht allein bei Andris Nelsons, der bei beiden Orchestern die Chefdirigentenposition einnimmt, sondern auch bei der jungen   Dirigentin Anna Rakitina. Die 1989 in Moskau geborene Tochter eines ukrainischen Vaters und einer russischen Mutter  lebt seit ihrem zweiten Dirigierabschluss 2018 in Deutschland, seit 2019 ist sie Assistenzdirigentin beim Boston Symphony Orchestra. Ich treffe sie am Rande des Schostakowitsch-Festivals zum Gespräch.


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… studierte Musikwissenschaft, Germanistik und französische Romanistik in Köln und Paris. Seine Promotion schrieb er 2014 an der TU Dortmund, mit einer Arbeit über den Dirigenten und Komponisten Oskar Fried. Derzeit ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Musik und Musikwissenschaft der TU Dortmund und leitet ein Forschungsprojekt über »Musik gegen Antisemitismus - zur Rolle der Musik bei Gedenkveranstaltungen«. 2025 veröffentlichte er eine Ausstellung zu Schostakowitschs...