Den Zeigefinger auf die eine und den Mittefinger auf die andere legen. Nein, das sind nicht die Tasten eines Klaviers. Es ist eine Klingel. Bitte lange auf beide Knöpfe drücken! steht an Alfred Brendels Tür. Ein sonniger Herbsttag. Ich bin in Hampstead. Im Erker ist für zwei gedeckt. Und schon erscheint der Meister, mit seinem am Vortag in der New York Review erschienenen Artikel in der Hand: »The Growing Charm of Dada … So haben sie ihn schließlich betitelt. Ich hatte Dancing amid Contradictions vorgeschlagen.«

Wir schreiben 2016. Zürich, Berlin und New York feiern 100 Jahre Dada. Brendel hat alle Ausstellungen besucht, alle Bücher gelesen. Beim Jubiläumsfestival in Zürich verwöhnte er sich mit der Sinfonie für neun Harley Davidson, Trompete und Synthesizer des greisen Avantgardekomponisten Dieter Schnebel. Brendel erzählt mir davon beim Lunch, und seine Augen strahlen. Der Esprit des Dadaismus hat ihn schon immer angezogen. Sein Erfindungsreichtum, der Nonsens, das Groteske … Nicht am Klavier, das nicht. Aber überall sonst. Er spürt eine Nähe zu dem, was für ihn in erster Linie eine Geisteshaltung ist, zum Triumph des Nonkonformismus, des Zufalls, der Ironie, des Humors, des Paradoxen.

