Am Samstagabend feierte Andrea Moses‘ Neuinszenierung von Mozarts Die Entführung aus dem Serail an der Berliner Staatsoper Premiere. Alleinstellungsmerkmal ist die Besetzung des Comedians Bülent Ceylan in der Sprechrolle Bassa Selim. Am zweitheißesten Tag der Berliner Geschichte blieb die Staatsoper schön kühl. Trotzdem: Wer Mozart oder Comedy oder beides mag, schwitzt lieber zu Hause.
Ceylan übernimmt nicht nur die Rolle von Bassa Selim. Er spielt auch sich selbst: Als Standup-Comedian und Erzähler, der Christoph Friedrich Bretzners Singspieldialoge zusammenfasst. Rein theoretisch eine gute Idee, denn wie bei der Zauberflöte tendieren diese Texte dazu, lang, peinlich und sängerhaft übertrieben gesprochen zu werden. Rein praktisch allerdings eine Katastrophe. Ceylan, durch die Regie in die Hauptrolle gerückt, soll kontextualisieren und aufheitern. Weder das eine noch das andere gelingt. Schlimmer noch: Das eigentlich Komische und Bewegende an dem, was Mozart geschaffen hat, wird für etwas deutlich Oberflächlicheres ausgetauscht.

