Die Entwicklung der ukrainischen Musik war schon immer eng mit ihren Institutionen verbunden: Ausbildungsstätten, Konzertorte und Komponierendenverbände prägten die Karrieren der Musiker:innen. Wenn man musikalisch talentiert war in einer staatenlosen Ukraine – wie es sie vier Jahrhunderte lang gab –, aber künstlerisch wachsen wollte, war der Weg klar: Man schrieb sich am Kyjiwer Konservatorium ein, reiste für Konzerte nach Russland, pflegte Beziehungen zu russischen Kolleg:innen und nahm Aufträge von der Leningrader Philharmonie oder vom Bolschoi-Theater an. Ob man danach noch ukrainische Kunst machte, blieb eine offene Frage; aber immerhin machte man Karriere. Die Alternative bestand darin, in Kyjiw zu bleiben und selbst Konzerte zu organisieren für ein Publikum, das sich mit klassischer Musik nicht gut auskannte und zum Großteil ganz andere Probleme hatte.
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