»Let’s try again!« Kristjana Helgadóttir setzt mitten im Stück ihre Flöte ab und lacht. Am eindrücklichsten bei der »Open Mic«-Session ist, was fehlt: Der Perfektions-Anspruch. Hier ist alles absichtlich unfertig. Die Komponistinnen und Komponisten bringen works in progress mit, schreiben den Werktitel auf einen Zettel und werfen diesen in einen Hut. Zu Beginn der Session wird dann gelost, welche Stücke gespielt werden. Das Ensemble Adapter (Harfe, Klarinette, Querflöte, Schlagzeug, Link zur Webseite) spielt vom Blatt, beeindruckend präzise, aber ab und zu fliegt doch jemand aus der Kurve, lacht (gemeinsam mit dem Publikum) und zählt ein für den nächsten Versuch. Es werden Witze gemacht, Biere getrunken. Aus dem Publikum, das nur aus Komponistinnen und Komponisten zu bestehen scheint, werden ohne Angst sich zu blamieren Fragen gestellt: Welche Arten von Flageoletts und Multiphonics kann man auf der Harfe spielen? Welche Präparierung ergibt Sinn? Was passiert, wenn Pedale schnell oder langsam bedient werden? Und vor allem: Wie notiert man all das? (Wer sich das an dieser Stelle auch fragt: Die Harfenistin des Ensemble Adapter, Gunnhildur Einarsdóttir, hat eine eigene Website über die Notationstechniken von Musik für Harfe erstellt.)
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