Nach der Umbenennung der »Mohrenstraße« in »Anton-Wilhelm-Amo-Straße« in Berlin-Mitte haben die Berliner Verkehrsbetriebe BVG nun auch die dazugehörige U-Bahnstation umbeschildert. Anton Wilhelm Amo gilt als erster Akademiker afrikanischer Herkunft in Deutschland. Er wurde im heutigen Ghana geboren und wahrscheinlich als Kind versklavt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts studierte er in Halle an der Saale und in Wittenberg, wo er 1734 auch promoviert wurde und anschließend als Professor wirkte. Ursprünglich wollte die BVG 2020 die U-Bahnstation in »Glinkastraße« umbenennen. Der Vorschlag wurde zurückgenommen, nachdem Glinka unter anderem in einem Artikel in der ›Jüdischen Allgemeinen‹ Antisemitismus und Nationalismus vorgeworfen worden war. Der russische Komponist Vladimir Tarnopolosky, mittlerweile in Deutschland lebend, verteidigte Glinka daraufhin in einem VAN-Gastkommentar: In Glinkas umfangreichem Nachlass gebe es – anders als etwa bei Mussorgsky – kaum Hinweise auf Antisemitismus oder Rassismus. »Wenn wir auf Teufel komm raus Leichen in den Kellern historischer Persönlichkeiten finden wollen, ohne den jeweiligen Kontext zu berücksichtigen – bitteschön. Doch dann müssten wir nicht nur alle Richard-Wagner-Straßen umbenennen, sondern auch die, die nach Kant und Hegel, Fichte und Brentano, Hauff und den Gebrüdern Grimm benannt sind.« ¶
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