Westliche klassische Musik wird oft als universal angesehen, als Klanggrammatik, die überall und nirgendwo hingehört, frei von Boden, Klima und Geschichte. Gleichzeitig gilt es als Kuriosität oder erklärungsbedürftige Seltsamkeit, wenn – sagen wir – kongolesische Kinder Cello oder Klarinette spielen. Offenbar sitzt der Glauben tief, solche Instrumente »gehörten nicht« auf den afrikanischen Kontinent.
An einem schwülen Novemberabend lausche ich in Brazzaville in der Republik Kongo dem Orchestre Symphonique des Enfants de Brazzaville (OSEB). Und ich höre keine Imitation ›europäischer Musik‹, sondern Lebendigkeit und Neugier: klassische Musik, befreit von ihren Konventionen, als reine und irgendwie auch raue Freude am gemeinsamen Musizieren.

