Von der ersten Coronawelle an wurden die Musiker:innen der Metropolitan Opera für ein Jahr in den unbezahlten Zwangsurlaub geschickt. Ein großer Teil der Mitglieder des Spitzenorchesters konnte sich das Leben in der Metropole nicht mehr leisten, Instrumentalunterricht ist in Pandemiezeiten kein verlässlicher Verdienst und das soziale Auffangnetz hat mehr Löcher als Maschen. Während in der MET die Türen noch verschlossen blieben, wurde ab Ende 2020 in Dallas wieder musiziert – und so lud sich das Dallas Symphony Orchestra 50 Orchestermitglieder aus New York ein, gemeinsam Mahlers Erste aufzuführen. Zwei Monate nach der Fernsehausstrahlung des Konzerts vermarktete das DSO die Aufnahme und andere Videoinhalte als sogenanntes Non-Fungible Token, kurz NFT. Diese Tokens sollten als finanzielle Unterstützung der gebeutelten Musiker:innen dienen.
Im letzten Jahr waren sie neben Seemannsliedern wohl das große neue Internet-Hype-Thema: Nicht weniger als eine »Revolution der Kunst« soll durch NFTs im Gange sein. Im Sommer überschlugen sich Nachrichten von Millionen, die für digitale Kunst hingeblättert werden, und in den letzten Monaten schien jede nennenswerte Institution von FC Bayern bis Unicef auf den so glitzernden Zug aufgesprungen zu sein. Doch wie sieht die Sache im Kontext der klassischen Musik aus? Eine Spurensuche zwischen anarchokapitalistischem Krypto-Futurismus, Reichwerden auf einem brennenden Planeten und der Frage, was und wer hier eigentlich wirklich eine Revolution erfährt.
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