In den letzten Wochen wurden Charkiw und die umliegende Region regelmäßig bombardiert, aber der 23. Mai – der Tag meiner Ankunft in der Stadt – war ein besonders tragischer Tag für unser Festival.
Meine Zugfahrt von Chełm dauerte fast 24 Stunden. Die Wagen waren voller Passagiere. Meine Abteilnachbarn: ein junges Mädchen, offenbar eine Studentin, ein Mann mittleren Alters in Militärkleidung, er war im Ausland auf Urlaub. In der Stadt Kowal setzte sich eine ältere Frau zu uns, auf den letzten freien Platz. Aus einem benachbarten Abteil ertönte die Stimme einer Frau, die sich mit jemandem über alle möglichen Themen unterhielt: über den Krieg, über Russland und die Russen, über Rezepte für das Abendessen und Preise für Kleidung. Man konnte an ihrer Sprechweise hören, dass sie vor kurzem vom Russischen zum Ukrainischen gewechselt hatte. Je schneller und aufgeregter sie sprach, desto mehr ukrainisch stilisierte russische Wörter benutzte sie.

