Der georgische Opernsänger Paata Burchuladze (Bass) wurde am Morgen des 5. Oktober in Tbilisi festgenommen. Ihm und vier seiner Mitstreiter werden der Aufruf zum gewaltsamen Umsturz, die Organisation von Gruppengewalt und der Versuch der Blockade beziehungsweise Einnahme von Einrichtungen öffentlicher Bedeutung vorgeworfen. Im Vorfeld hatte Burchuladze gemeinsam mit seinen Mitstreitern zu Protesten am 4. Oktober aufgerufen, die sich gegen das Regime der Partei »Georgischer Traum« richteten. Die Proteste, die am Tag landesweiter Regionalwahlen stattfanden, schlugen in Gewalt um, als Protestierende den Zaun vor dem Präsidentenpalast einrissen und es zu Konfrontationen mit Spezialeinheiten der Polizei kam.
Nach einer international höchst erfolgreichen Karriere als Opernsänger, die ihn unter anderem ans Moskauer Bolshoi Theater, die Mailänder Scala und die New Yorker Metropolitan Opera führte, ist Burchuladze seit gut zehn Jahren vor allem politisch aktiv. Seine eigenen Aktivitäten fanden und finden größtenteils im Einflussspektrum der vom mittlerweile inhaftierten Ex-Präsidenten Mikheil Saakashvili gegründeten »Vereinigten Nationalbewegung« UNM statt, die radikal pro-US-amerikanische und pro-europäische Positionen vertritt. Zuletzt gründete Burchuladze die Gruppe »Rustavelis Gamziri«, die nach dem zentralen Rustaveli-Boulevard in Tbilisi benannt ist. Dieser ist Hauptschauplatz der seit November 2024 anhaltenden, teils massiven Proteste gegen den zunehmend russlandfreundlichen und autoritären Kurs der vom georgischen Oligarchen Bidzina Ivanishvili finanzierten und gesteuerten Regierungspartei »Georgischer Traum« und für eine europäische Zukunft Georgiens. Nach zahlreichen vorangegangenen Protestepisoden gegen den »Georgischen Traum« in den letzten Jahren entzündete sich der aktuelle Protest nach der Ankündigung der Regierung am 28. November 2024, die Beitrittsverhandlungen mit der EU vorübergehend »auszusetzen«.

