Nach dem Gürzenich-Orchester und der Philharmonie gibt es nun auch bei der Oper Köln Unruhe auf Leitungsebene. Seit einigen Monaten kursieren innerhalb des Hauses Vorwürfe gegen Intendant Hein Mulders, deren Inhalt VAN vorliegt. Gestern wandte sich Mulders in einer E-Mail direkt an die Mitarbeitenden der Oper. »Seit Ende letzten Jahres kursieren verleumderische Gerüchte über mich«, so Mulders in dem Brief, der unserer Redaktion ebenfalls vorliegt. Diese hätten sich inzwischen »in der ganzen Stadt und in anderen Opernhäusern« verbreitet. Im Zentrum der Vorwürfe stehe seine sexuelle Orientierung. Mulders spricht von einer »homophoben Diffamierung«, die seinen Ruf schädigen solle und gegen die er sich juristisch zur Wehr setzen werde: »Ich bin nun auch mit meiner Geduld am Ende und werde ab sofort mit meinem Anwaltsteam strafrechtlich gegen jede Lüge vorgehen.« Mit Blick auf die kommende Spielzeit 2025/26 strebe er an, »mögliche Verwerfungen, die aufgrund der Denunziation entstanden sind, aufzuarbeiten«. Ziel sei ein Prozess, »der intern und extern wieder hinreichendes gegenseitiges Vertrauen herstellt.«
Mulders ist seit der Spielzeit 2022/23 Intendant der Oper Köln. Sein Vertrag wurde im Mai bis 2032 verlängert. Ob es der Kölner Stadtverwaltung gelingt, die Vorwürfe oder Gerüchte aufzuklären, bleibt abzuwarten. Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Konflikten innerhalb der städtisch getragenen Klassik-Institutionen Kölns. Erst im Juli 2024 hatte die Stadt den Vertrag mit Generalmusikdirektor François-Xavier Roth aufgelöst, nachdem mehrere Musikerinnen und Musiker Roth Belästigung in Form sexualisierter Nachrichten vorgeworfen hatten, darunter das Versenden sogenannter ›Penisbilder‹ (VAN berichtete exklusiv). Der Dirigent hatte daraufhin in einer Stellungnahme eingeräumt, »in der Vergangenheit unangemessene Textnachrichten an Musiker:innen gesendet zu haben«. Mit der Vertragsauflösung hatte die Stadt Köln auch die Untersuchungen zu den Vorwürfen gegen Roth vorzeitig und ohne Auswertung beendet, was bei Teilen des Gürzenich-Orchesters auf Kritik gestoßen war. Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Köln wurde mangels hinreichenden Tatverdachts Ende 2024 eingestellt.

