Fegefeuer in Rheingoldstadt

Es weckt Staunen übers eben Gesehene und gespannte Erwartung aufs Kommende, was hier alles gelingt. Und das, obwohl Dirigent Vladimir Jurowski und Regisseur Tobias Kratzer einiges dafür investiert haben, dass die Sache schon zum Vorabend des neuen Münchner Ring des Nibelungen kolossal schiefgehen müsste. Zumindest könnte. Nein, müsste. Denn der eine dirigiert in Zeitlupe, der andere inszeniert Wagners neuheidnische Göttersause in einer christlichen Kirche. Geht’s noch?

Es fängt ja allgemein damit an, dass Jurowski, ein kopfgesteuert spiritueller Mensch, im Interview bekennt, er habe »früher Vorbehalte gegen die traditionelle Oper« gehabt. Direktionsmusikgeneral, oder wie das Ding heißt, ist er trotzdem geworden, sogar an der noblen Bayerischen Staatsoper. Und da geht es speziell damit weiter, dass er hier gegen fast alle aktuellen Gepflogenheiten das neue Rheingold in einer derartigen Langsamkeit dirigiert, dass die Krittelverse der Stoppuhr-Rezensenten vorhersehbar sind. 


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