Ein erschöpfter Vampir

Keine Zeit für Bayreuth? Nicht so schlimm, findet Volker Hagedorn, der oft dort war. Richard Wagners vielbestauntes Konzept, keinen neben sich zu dulden, wirkt in der Praxis inzwischen wie eine anachronistische Käseglocke.  

Ich kam nicht als Wagnerianer zur Welt und wurde auch keiner, obwohl besonders »Bayreuth« mit allem Glanz und Raunen zur Familie gehört, seit in den Fünfzigern mein Opa in den »mystischen Abgrund« steigen durfte, um dort zwischen anderen Auserwählten seine Violine erklingen zu lassen. Aber zur Familie gehörte noch so vieles andere, dass Wagner für mich allenfalls ein interessanter Typ war. Bei meinem Bayreuther Kritikerdebüt war ich 26, hatte wenig Ahnung, war aber stolz, im Allerheiligsten gelandet zu sein, das zwar keiner direkt so nannte, das sich aber insgesamt so anfühlte, auch wenn das Festspielhaus einem Mittelgroßstadtbahnhof des 19. Jahrhunderts ähnelt.


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