»Ein verliebter Trottel wie Romeo interessiert mich ned«
Fast wie Hugo Wolf sieht er aus mit Bart und dringendem Blick, wie er so über die Probebühne rast, singend, flüsternd, brüllend: Georg Nigl als Orest. Der 76-jährige Regisseur Hans Neuenfels kann den Extrembariton kaum zähmen, spannender kann keine Probe sein – und in den Pausen treffen sich die beiden zum Rauchen. Im Opernhaus Zürich hat am 26. Februar Manfred Trojahns Oper Orest unter der Leitung von Erik Nielsen Premiere, drei Wochen zuvor hat sich Volker Hagedorn nach der Probe mit Georg Nigl unterhalten. 1972 in Wien geboren, stand Nigl mit neun Jahren erstmals als Sängerknabe auf der Opernbühne. Mittlerweile gilt er als Spezialist für Männer am Rande des Abgrunds, von Monteverdis Orfeo bis zu Rihms Jakob Lenz. Beide Rollen ließen den Hochschulabbrecher 2015 zum »Sänger des Jahres« werden. Nigl arbeitet häufig mit zeitgenössischen Komponisten wie Wolfgang Rihm und Pascal Dusapin zusammen. Jenseits der Oper ist er auch als Liedsänger unterwegs – jüngst gestaltete er ein Schubertprogramm mit Andreas Staier am Fortepiano in der Londoner Wigmore Hall.
Georg Nigl: Wann der Bruch entsteht und wodurch. Meistens durch die Umwelt, Vatergeschichten, die Tat der Gesellschaft am Individuum. Orest kommt ja aus einer unglaublich blutrünstigen Familie. Der Bezug zu Apoll, zum Über-Ich, dem Gott, der ihm sagt, was er tun soll, das ist für mich ein Link zur Schizophrenie. Ich empfinde den Orest als eher künstlerisch interessierten Menschen, den Macht und Mord und Tod überfordern. Er will träumen, aber man lässt ihn nicht!
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