Brennendes Gelb!

Antonio Vivaldi erblickte am 4. März 1678 in der heuer delphinösen Stadt Venedig das Licht der Welt und war in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts so etwas wie der Mehmet Scholl des italienischen Musikwesens. Er sah gut aus, war ein Allrounder – und… (nun ja, komm!): konnte alles am (Opern)Ball. Sein Musiktheaterschaffen belief sich auf über neunzig Werke, von denen weniger als zwanzig vollständig überliefert sind. Heutzutage erweisen sich Vivaldis Instrumentalkonzerte als um Einiges präsenter, darunter die Vier Jahreszeiten: das vielleicht bekannteste Opus der Barockmusik überhaupt, das sich schon zu Lebzeiten Vivaldis großer Beliebtheit erfreute und im Dezember 1730 gar – so bezeugte die Zeitschrift Mercure de France damals – vor König Ludwig XV. aufgeführt wurde.

Vivaldis Vier Jahreszeiten erschienen in der Sammlung Il cimento dell’armoni e dell’inventione (in etwa: »Gewagte Studien über Harmonien und musikalische Ideen«). Jedem Werk wurde ein Sonett mit Schilderungen von Naturerscheinungen, ländlichen Festen und völkischen Unternehmungen (Bauerntanz, Jagd, Schlittschuhlauf, Haschischkonsum) vorangestellt. In den Jahren 1723 bis 1725 entstanden, hatte es Vivaldi bei Schaffung dieser vier hochvirtuosen Solo-Konzerte auf eine weite Verbreitung angelegt; das bebildernde »Programm« wählte er wohl auch, um sein Werk kaufmännisch – im wahrsten Wortsinne – in »Szene« zu setzen. Die spannungsreiche Virtuosität, die Eingängigkeit der Melodien – und dazu ein programmatischer Rahmen: Das alles trug zur Popularität der Vier Jahreszeiten bei. Der Marketing-Gag funktioniert bis heute. Alle freuen sich über eine vermeintliche »Handlung«, die der Musik mit ihren erstaunlich krassen Umschwüngen innewohnt. Hör-Bilder entstehen, leichte Zugänge, Niedrigschwelligkeit – ein barrierefreies Barockwerk, das hierzulande bei keinem Wunschkonzert der bald aussterbenden »dritten Programme« (gemeint sind die sich gerade selbst abschaffenden Kultur-Radiowellen) fehlen darf. Ein Werk, das die Laien lieben, die hörenden Profis hassen und die spielenden Profis spielen.


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