Links und Bagatellen

Text · Foto Florentino Luna (BY-NC-ND 2.0) · Datum 26.4.2017

Reinhard J. Brembeck geht die Frage der Akustik in der Elphi noch einmal an.

(In der Süddeutschen Zeitung.)

Der Titel »Wird die Elbphilharmonie als Akustikdebakel in die Geschichte eingehen?« ist (wahrscheinlich nicht von Brembeck) reißerisch gewählt, aber der Artikel bleibt nicht ohne Belege:

Der immer auskunftsfreudige und mit Laien sehr geduldige Akustiker Karlheinz Müller baut seit 40 Jahren erfolgreich Konzertsäle und Opernhäuser und war 25 Jahre lang Professor für Akustik in Wien. Er kennt weltweit fast alle Räume und befürchtet, dass neue Säle aufgrund zunehmend verspielter Bauformen bald nur noch mit elektronischen Nachhallsystemen in gut klingende Räume verwandelt werden können.

Klar, neue Technik erschien oft seltsam und unangebracht. Aber ob ein elektronisches Nachhallsystem im Konzerthaus den Konzertbesuch wirklich aufwertet und nicht eher die Konkurrenz des Virtual-Reality-Erlebnisses heraufbeschwört?

Nagano und seine Musiker suchten in Hamburg ebenfalls nach einem “hot spot”. Die übliche Sitzordnung wurde verändert. Jetzt sitzen sie auf weniger Podien und näher an der Rückwand. So entstehen mehr Reflexionen, der Klang wird wärmer und homogener. Vor allem aber spielen sie nun deutlich anders als in anderen Sälen. Die ersten Geigen müssen die Wärme in der Tiefe bewusst produzieren, der fehlende Nachhall wird durch Tonverlängerungen ausgeglichen, dem Zerfall der Phrasen durch ein übertriebenes “Aneinanderkleben” der Töne begegnet. Allein die ersten drei Takte des langsamen Satzes haben sie eine halbe Stunde lang geprobt. Ein dermaßen überzogenes Spiel dürfte an anderen Orten artifiziell wirken, in Hamburg ist es notwendig.

Lohnt sich sehr, den Artikel zu lesen.

Update: Auch Joachim Mischke und Manuel Brug diskutieren über die Elbphilharmonie.

Die Playlist zur Ausgabe #104 bei Spotify

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Vom User vanmagazin gibt es noch mehr bei Spotify. 

Ein Stück mit Reinhold Friedrich (zum Artikel) an der Trompete, zwei mal Beethoven, intepretiert von denen, die unsere befragten Pianisten (zum Artikel) als Lieblinge nennen, dann noch drei Stücke (Nicht-Beethoven), die sie selbst spielen. Und schließlich: Zwei Werke von Vito Žuraj (zum Artikel).

Chilled to the bone

Wir suchen ›Chillin’‹, ›Passion‹ oder wenigstens Bach, aber irgendwie kommt der Flavour nicht rüber. Woran mag das liegen, wo Musik doch ›Teil der Lebensqualität‹ ist? Wo es doch so viele hochvirtuose Junge gibt, die zeigen, wie spannend und unterhaltsam Klassik sein kann!

Gendering kommt auf Englisch nicht so gut.

Auch wir haben uns schon öfter gefragt, wie wir damit umgehen, dass

  1. viele zum Beispiel ›Musiker‹ sagen, aber ›Musikerinnen und Musiker‹ meinen,
  2. sich ›Musikerinnen und Musiker‹ etwas umständlich anhört, vor allem, wenn es in einem Text von 6.000 Zeichen 10 Mal vorkommt,
  3. es aber wirklich eine Rolle spielt, vor allem, weil die Klassikkultur Männer bevorzugt.

Unsere aktuellen Lösungen, wenn die Gemeinten nicht klar identifiziert sind:

  1. … abwechseln: Direktorinnen, Künstler
  2. diese Schreibweise: Musiker*innen
  3. etwas anderes.

(Verbesserungsvorschläge gerne an die Redaktion.)

Wie ich drauf komme: Im Englischen gibt es das Wort songstress, für ›Sängerin‹, es ist aber eher unbeliebt, wie ein Redakteur von NPR erklärt.

Der neue Dresdner Konzertsaal könnte ruhig ein bisschen weniger wie die Elbphilharmonie aussehen.

Der MDR hat viel Bilder, die Architekten gmp auch ein paar. Der Deutschlandfunk den Stand der Dinge.

Die Playlist zur Ausgabe #103 ist da.

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Zum Interview mit Pierre-Laurent Aimard:

»Messiaen ist hier nicht wirklich präsent, aber er hat eine große Präsenz in mir selbst.« Hier spielt Aimard ein Stück aus dem Catalogue d’oiseaux und einen Satz aus Beethovens Klavierkonzert No. 4 mit dem Chamber Orchestra of Europe und Nikolaus Harnoncourt.

Zum Kommentar von Reinhard Goebel:

Musica Antiqua Köln & Reinhard Goebel spielen Bach, Brandenburgische Konzerte.

Zum Kommentar von Andreas Staier:

Staier spielt Bach, Goldbergvariationen.

Zum Bunkersalon Identity:

»Für mich war es alles andere als selbstverständlich, ein klassischer Musiker zu werden, aber es kam irgendwann der Moment, an dem ich auch in der klassischen Musik die Freiheit und den Ausdruckswillen entdeckt habe, den man vielleicht eher in Stilen finden kann, die eine orale Tradition haben, zum Beispiel Volksmusik. Wenn ich darüber nachdenke, lande ich regelmäßig bei sehr epischen Stücken – zum Beispiel dem Schubert-Streichquintett«, sagt Bratschist Tim-Erik Winzer. Hier der erste Satz.

Jordi Savall hat Musik aus dem 17. Jahrhundert mitgebracht: Serafín Que Con Dulce von Joan Cererols.

»Und ich dachte, ›Indie‹ würde sich von Indien her ableiten. Dann stand ich vor ›Nirvana‹. Das kannte ich aus dem Hinduismus.« Autor Senthuran Varatharajah hat ein Stück vom Nirvana-Album Bleach mitgebracht.

Auch in der Diskussion: Derya Yildirim. Hier: Nem Kaldi von Derya Yildirim & Grup Şimşek.