Links und Bagatellen

Text Tobias Ruderer · Foto Nicola Sacchi (CC BY-NC-ND 2.0) · Datum 22.3.2017

Die Playlist #HearAllComposers von @knitandlisten

@knitandlisten ist Zoë Madonna, die Korrespondentin unseres amerikanischen Schwesternmagazins. Und ihre auf Soundcloud und Youtube verfügbare Playlist ist entstanden während der Twitter-Diskussionen unter dem Hashtag #HearAllComposers und #EqualityTime, wo es darum geht, welche Musik von Komponistinnen gerade viel zu kurz kommt in den Saisonprogrammen amerikanischer Orchester.

HERE WE GO! I’ll be making @YouTube & @SoundCloud playlists of music posted today: #HearAllComposers #EqualityTime

Es lohnt sich übrigens total, @knitandlisten auf Twitter zu folgen.

Woman is the Nigger of the World bei Rondo.

Auguste Edouart, Slave Belonging to Mrs. Oyley./ New Orleans Mar 1st 1844
Auguste Edouart, Slave Belonging to Mrs. Oyley./ New Orleans Mar 1st 1844

Das ist ein typischer Fall von Do-not-Link. Wir – und auch andere – haben uns gefragt, ob die Plattenkritik eines gewissen Matthias Siehler (ein Pseudonym?) über die Sopranistin Aida Garifullina nicht doch Satire ist. Gut, das Albumcover bedient selbst schon Klischees, aber Siehler flippt völlig aus. Er beginnt seinen Text so: »Superschlank, superschön, superstimmig schon auf dem ersten Album: Diese Sängerin aus Tatarstan ist keine Sopraneintagsfliege«, hangelt sich über »Vor ihr nimmt jede Magenverkleinerungsschnur sofort Reißaus. Schwarzhaarig, Kirschmund, dunkle, leicht mandelförmige Augen, puppenhaft zarte Figur. Aber kein Töne spuckender Automat, genauso wenig ein Schmusekätzchen. Die hat Temperament, weiß zu locken und zu verführen, kuschelt und teilt aus. Und kratzen kann sie auch«, und leider geht es noch weiter: »Wenn es nicht nach ihrem Willen geht«. Das Ganze garniert mit Connaisseur-mäßiger Jovialität: »Sie trillerte sich mit hellem Funkelglanz, freilich über einem typisch russischen, noch ganz flaumigen, rauchig-dunklen Stimmgrund schwebend …«. Was ist hier los? Dann haben wir noch andere Sachen auf Rondo gelesen: »Vilde Frang – tonaler Wildfang« und gemerkt, dass hier eine Fundgrube für Sexismen entstanden ist.

Die Wiener Zeitung mit einem Interview mit der ersten Professorin für Musikvermittlung in Österreich.

Robert François Richard Brend’amour, Un Concert Chez Cléopatre
Robert François Richard Brend’amour, Un Concert Chez Cléopatre

Klar, vieles zum Thema haben wir schon gehört, was vielleicht auch daran liegt, dass die Musikvermittlung in Österreich »ein bisserl hinter Deutschland« steht, wie Constanze Wimmer von der Anton Bruckner Privatuniversität Linz feststellt. Dennoch fasst sie den Stand der Dinge im Interview auf vernünftige und angenehm durchblickende Art zusammen, zum Beispiel auf die Frage, warum es diese Musikstifter brauche:

Es hat sie immer gegeben. Klassische Musik war immer elitär und nie so unmittelbar, wie in unserer Vorstellung. Nur waren die Figuren andere – der Dramaturg, der Cafetier, der in seinem Lokal Konzerte veranstaltete, Journalisten. Es hat immer Menschen gegeben, die Beziehungen hergestellt haben. Diese Szene hat sich mehr ausdifferenziert und ab den 90er Jahren einen pädagogischen Einschlag erfahren, seit auch im Bildungsbürgertum klassische Musikausbildung weniger Relevanz hat.

Die Playlist Islamophonic Incidents von Teju Cole.

Teju Cole war unser Interviewpartner in Ausgabe #97. Hier eine neue Playlist von ihm bei Spotify, Islamophonic Incidents in verschiedenen spirituellen Farben.

Die Playlist zur Ausgabe #99 ist da.

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Johann Jacob Frobergers Plaincte faite à Londres pour passer la Melancolie wird beim Aktionstheaterstück Musica Fugit gespielt, über das wir mit der Sopranistin Gerlinde Sämann sprechen. Hier gespielt vom Cembalisten Andreas Staier, der über das Stück in unserem Aufnahmenvergleich sagt:

Bei Froberger gibt es den Treppensturz wesentlich drastischer.

Was er meint? Einfach anhören.

Die Playlist enthält außerdem diese persönliche Empfehlung von Gerlinde Sämann: »Nehmen sie den Monteverdi, Si dolce e il dormento, da gibt es eine tolle Aufnahme von Jaroussky.«

… und die von Sämann gesungene Arie »Aus Liebe will mein Heiland sterben« aus Bachs Matthäus-Passion mit Sigiswald Kuijken und dessen Ensemble La Petite Bande. Damit ist die Brücke geschlagen zu unserem Interview mit Kuijken: »Dieses elende Aktualisieren«

Die neueste Aufnahme vom Barockgeiger, Gambisten, Violoncello da spalla-Spieler und Dirigenten mit La Petite Bande ist die von Mozarts Klavierkonzerten Nos. 11, 12 und 13. Unsere VAN-Playlist hat auch einen Satz aus dem Konzert No. 12 A-Dur – Andante.

Dann gibt es zwei Stücke vom Quatuor Ébène, dem Streichquartett, dem der Regisseur Daniel Kutschinski mit seinem Dokumentarfilm ein Denkmal gesetzt hat. (Hier spricht er im Interview mit Cornelia de Reese-Tiller): Schuberts Streichquartett in C-Dur D. 956 und eine Fassung von Bebê von Hermeto Pascoal.

Boulez’ Anthèmes 1 für Sologeige entstammt dem Album Bach, Bartók, Boulez, das in unserer Stilkritik mit Kai Kullen als einer der inoffiziellen Sieger erscheint.