Übel

Ein echter Finger in einer echten Wunde, furiose Stunts und explizite Sexszenen – in SANCTA, Florentina Holzingers Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche, passiert so einiges. Was allerdings nicht passiert – weder in Schwerin (wo das Stück uraufgeführt wurde), noch in Wien (wo es bei den Festwochen zu sehen war), noch in Stuttgart (wo SANCTA aktuell Station macht) –, ist, dass jemand im Publikum sich übergeben muss. Diese Falschmeldung haben jüngst nicht nur Boulevardblätter wie die österreichische Kronenzeitung verbreitet, sondern auch Nachrichtensendungen wie Zeit im Bild oder Medien wie die FAZ oder das britische BBC Music Magazine. Die BILD Zeitung schrieb von Zusammenbrüchen und »Übelkeit und Schockzuständen« bei 18 Zuschauer:innen. 

Maurus Zinser, der Leiter des Besucherservice des Stuttgarter Staatstheaters, stellte demgegenüber am 10. Oktober klar: »Am Premierenabend mussten acht, am 6. Oktober zehn Personen von uns oder dem anwesenden Theaterarzt betreut werden, teilweise übrigens bereits vor der Vorstellung.« Man habe nicht, wie berichtet, achtzehnmal Erste Hilfe leisten müssen. Einsätze wie bei SANCTA sind laut Zinser bei Opernaufführungen durchaus üblich: »Wo viele Menschen zusammenkommen und eng aufeinander sitzen, kommt es immer zu Hilfeleistungen durch den Besucherservice oder zu Arzteinsätzen. Wir müssen leider auch bei normalen Opernvorstellungen einmal pro Woche den Notarzt rufen. Im Opernhaus haben 1.404 Personen Platz, da ist immer mal wieder jemand dabei, der zu wenig gegessen oder getrunken hat, dem die Luft im Zuschauerraum zu beklemmend ist und dem dann der Kreislauf kollabiert.« Bei den beiden SANCTA-Aufführungen habe einigen der 18 Besucher:innen schon ein Schluck Wasser geholfen. Viele seien zudem nach der Betreuung durch den Besucherservice wieder in den Saal zurückgekehrt. 


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