Kein Brokkoli-Theater

Auf Glockenschlag stürmt Lydia Steier mit wehendem blonden Haar das Konferenzzimmer des Staatstheaters in Mainz. Der Zug aus Basel war also pünktlich. Dort arbeitet sie seit zwei Wochen an der Welterstaufführung von Diotati. Unendlich. Die neue Kreation des Schweizer Komponisten Michael Wertmüller wird im Februar über die dortige Theaterbühne gehen. Heute Abend erlebt Steiers Inszenierung von Leoš Janáčeks Kátja Kabanová seine Mainzer Premiere. »Wo soll ich mich hinsetzen?« Ihr Platz ist schnell ausgemacht. Ihre Sachen – alles schwarz wie der dicke Rand ihrer Brille – landen auf dem Stuhl daneben. Eine Red Bull Dose knackt auf. Von dieser Frau, sympathisch direkt, ohne Allüren und Gestelztheiten, geht Energie aus. 1978 in Hartford im Bundesstaat Connecticut geboren, hat sie am Oberlin Conservatory of Music in Ohio Gesang studiert, anschließend Regie an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Dann siedelt sie nach Berlin über, wo sie gleich erste Regiearbeiten in Angriff nimmt. Der Deutschlandfunk erklärt sie 2009 für ihre Inszenierung von Ferruccio Busonis Turandot zur Entdeckung des Jahres. Und richtig nimmt ihre Karriere in Mainz Fahrt auf. Für die deutsche Erstaufführung von Pascal Dusapins Perelà wird sie 2015 gleich zweimal für den Faustpreis nominiert. Karlheinz Stockhausens Donnerstag aus Licht in Basel im Jahr darauf wird von der Zeitschrift Opernwelt zur Aufführung des Jahres gekürt. Und jetzt sitzt sie in Mainz am Tisch neben mir, eine Stunde vor der Premiere, um etwas über sich zu erzählen. Beispielsweise darüber, wie man in Hartford am Connecticut River auf die Idee gekommen ist, Regisseurin zu werden?


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