Veröffentlicht inInterview

Das perfekte Anti-Depressivum

Heute treffe ich ein männliches Exemplar. Eins der feinen Sorte, charmant, intelligent, feminin. Er ist irgendwo in den Dreißigern, lebt in Berlin und arbeitet als musikalischer Grenzgänger. Gut, die gibt es fast so oft wie DJs in Berlin. Er, nennen wir ihn Richy Wagner, ist aber auch Komponist, der gut auskommt mit Kompositionsaufträgen und Stipendien. […]

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King of Autobahn

Ich treffe Vilde Frang im Café Liebling am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg, ihrem Heimatkiez. Sie bevorzugt es auf englisch zu sprechen, »mein Deutsch ist nur zum Überleben«. Das ist wahrscheinlich Koketterie, zumindest wechselt sie während des Gesprächs immer mal wieder für einige Ausdrücke ins Deutsche, die nicht unbedingt zum Überlebenswortschatz gehören, »Vogelperspektive«, »Minderwertigkeitskomplex«, »Begeisterung«…Ein geplantes […]

Veröffentlicht inKritik

Ins Konzert mit Thomas Ostermeier

Arno Lücker geht mit Thomas Ostermeier ins Konzert. Ostermeier Jahrgang 1968, in Soltau geboren, in Niederbayern aufgewachsen, ist seit 1999 der Leiter der Schaubühne am Lehniner Platz und mit Frank Castorf zusammen der bekannteste Theaterregisseur Deutschlands. An der Schaubühne inszenierte er zuletzt Die kleinen Füchse – The Little Foxes von Lillian Hellman (2014), Richard III. […]

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»Ich mag es viel lieber, eine Welt zu haben, die das Chaos enthält.«

Philippe Manoury wurde von François-Xavier Roth, dem Kapellmeister des Gürzenich-Orchesters, im April 2016 als »Komponist für Köln« vorgestellt. Eine Trilogie aus Kompositionen wird zu diesem Anlass entstehen. Der erste Teil, Ring, wurde vom Gürzenich-Orchester im April gespielt. Im April 2017 folgt das bereits in Donaueschingen aufgeführte In situ.An diesem Dezemberwochenende ist Manoury hier, weil es […]

Veröffentlicht inReportage

Temperatur und Energie. Die Zukunft des Archivio Luigi Nono

Übersetzung Jonas Löffler Die Fondamenta Sant’Eufemia, eine Straße auf der venezianischen Insel Giudecca, verläuft parallel zum Wasser. Wie sie über den ans Ufer schlagenden Wellen erscheint, wirkt ihre Existenz fast zufällig. Zwischen den zwei Fassaden mit den Nummern 610A und der leicht abblätternden 655 nimmt eine Gasse ihren Anfang, die von roten und grauen Häusern […]

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VAN-Playlist: Barrie Kosky

Oft bringt die Musik aus der Kindheit und Jugend nicht einfach nur die Erinnerungen aus dieser Zeit zurück – sie befördert einen tatsächlich zurück in die damalige Wirklichkeit und ruft physische Reaktionen, Adrenalin, Schweiß und Herzschmerz hervor. Barrie Kosky, Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, hat für diese Playlist nach seinen eigenen Erlebnissen gegraben […]

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VAN-Playlist: Kai Schumacher

Guns N’ Roses, Live and Let Die Meine erste Vinylsingle überhaupt und die Tür in eine neue Welt. Meine zugegebenermaßen etwas nerdige Kindheit hatte ich neben dem Sammeln von Mokkatassen hauptsächlich mit dem Hören von Komponistenbiografien auf Kassetten verbracht. Mein Vater, der damals beim Radio arbeitete, machte sich wohl ernsthafte Sorgen um mein Schulhof-Standing und […]

Veröffentlicht inInterview

»Man kann als Künstler eh nichts tun!« ist eine Wohlstandsattitüde!«

Nach seinem Studium (Musikwissenschaft, Germanistik und Politik) arbeitete Bernhard Glocksin zunächst als Dramaturg am Niedersächsischen Staatstheater Hannover, am Theater am Neumarkt Zürich und am Salzburger Landestheater. 1995 wurde er Chefdramaturg am Staatstheater Mainz, dann Chefdramaturg und stellvertretender Intendant am Deutschen Theater Göttingen. Seit 2004 ist Glocksin Künstlerischer Leiter der Neuköllner Oper, »Berlins viertem Opernhaus« (Klaus […]

Veröffentlicht inEssay

Sag, woher die Blumen sind

Besucht man das Grab von Frédéric Chopin auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise, dann sieht man schon von weitem Berge von Plastikblumen und Karten, voll mit Hieroglyphen. Wenn man weiß, wie wichtig Chopin für Polen ist – mit all seinen Chopin-Akademien, Chopin-Flughäfen und Chopin-Wodkas –, dann ist man überrascht, wie wenig man hier auf die […]

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Nicht für den Bruchteil einer Sekunde

Runde Zahlen, mit Bezug auf das Jahr der Geburt oder das Todesjahr von Komponisten wirken manchmal ziemlich zufällig, als Rechtfertigung für Musik, die sowieso ins Programm gekommen wäre. Nicht so die 450. Wiederkehr von Monteverdis Geburtstag. Seine Opern sind wichtige, universelle Signale dafür, dass wir Menschen schon immer die selben Mühen und Kämpfe hatten, dass […]